Montag, 26. September 2011

Beijing, Teil 1: Hinfahrt, Erster Abend und Große Mauer

Hinfahrt:
Am 22.09.2011 war es soweit: Morgan und ich entkamen der Langeweile auf dem Campus der NUAA und fuhren nach Beijing. Das ganze fing damit an, dass wir zehn Minuten bevor unser Zug abfuhr am Gleis ankamen. Zuerst hatten wir die Strecke mit der Metro bis zum Bahnhof unterschätzt. Dann fanden wir uns auf der flächenmäßig zweitgrößten Bahnstation der Welt nicht auf Anhieb zurecht und es dauerte eine Weile bis wir am richtigen Gate waren. Schließlich saßen wir aber doch im Zug, der pünktlich in Richtung Beijing abfuhr. Anders als im ICE, in dem Fahrer stolz verkündet dass der Zug die nächsten fünf Minuten tatsächlich mit der Geschwindigkeit fährt für die er gebaut wurde, wird bei der CRH die Höchtgeschwindigkeit (310 km/h) wenige Minuten nach der Ausfahrt von Bahnhof erreicht und bis kurz vor dem nächsten Halt beibehalten. Während der Fahrt wollten wir selbstverständlich aus dem Fenster gucken, hatten aber nicht mit trotzigen Chinesen gerechnet. Wir haben uns unser Fenster mit der Sitzgruppe vor uns geteilt, mit der es einen langen Kampf um die Sonnenblende gab, die der Chinese gerne unten und wir oben haben wollten. Sobald er sie genervt nach unten gezogen hatten, schoben wir sie Stück für Stück wieder rauf. Auf der halben Strecke stieg unser Gegner aus und wurde durch einen neuen ersetzt. Nachdem wir die Blende zum ersten Mal wieder nach oben geschoben hatten guckte er nach hinten und sah dort zwei Bleichgesichter sitzen. Dann ließ der die Finger von der Blende.
Die Landschaft entlang der Strecke wechselte zwischen Feldern, Bergen und Städten, die sich entlang der 1000 Kilometer erstaunlicherweise kaum änderten.


Nach vier Stunden kamen wir Beijing an. Dort entschieden wir uns, nicht den einfachen Weg weg zu wählen und mit dem Taxi zum Hostel zu fahren, sondern mit der Metro. Zum Glück ist die Metro in Nanjing nach dem Vorbild Beijing aufgebaut, sodass wir uns sofort zurechtfanden. Unser Hostel war in der Dazhalan Xijie, etwas südlich vom Qianmen Square der wiederrum südlich vom Tiananmen Square liegt. Zu Fuß waren es 5 Minuten zum Qianmen und der Metro-Ringlinie. Unser Zimmer war in erster Linie OK, nicht mehr und nicht weniger. In der Bar des Hostels gab es Sessel, eine Couch und einen Großbildfernseher, sodass man sich dort gut beim Ausruhen mit anderen Gästen unterhalten konnte, die aus aller Welt kommen und ständig wechselten. Als wir eincheckten und ich meine Reservierung angeben sollte, entdeckte ich dass meine Name in „Ganulf Schulnd“ umgewandelt worden war. Die nächsten Reservierungen werde ich eindeutig per Mail und nicht mehr per Telefon machen.
Hungrig und neugierig machten wir uns dann auf den Weg, um die Straßen um unser Hostel herum zu erkunden. Da die Gegend so nah am Zentrum liegt, ist sie sehr touristisch geprägt. Trotz allem macht es aber Spaß, die kleinen Gassen zu erkunden und neues zu sehen. Gegessen haben wir in einem kleinem Restaurant, dass bestimmt besser war als die großen Touritempel. Nicht weit vom Qianmen liegt die Qianmen Dajie, eine westliche Einkaufsmeile. Dort gibt es KFC, Starbucks McDonalds und alles was das westliche Herz sonst noch so begehrt. Schon am ersten Abend war uns klar, welche chinesischen Wörter wir am häufigsten benutzen werden: Bu yao! (Ich will nicht!). Eines der nervigsten Dinge in Beijing ist, dann man im Zentrum keine Minute laufen kann ohne von Rikschafahrern oder Straßenhändlern angefallen zu werden. Nur auf der Mauer hatten wir davon unsere Ruhe, aber dazu später mehr. Die meisten der Chinesen erwarten überhaupt nicht eine chinesische Antwort zu bekommen, weswegen wir oft ein fragendes „Bu yao?“ hörten, wenn wir schnell weitergingen.





Dirket bei der Ankunft im Hostel hatten wir für Freitag unsere Mauer-Tour geplant, die um 7.30 Uhr beginnen sollte. Deswegen gingen wir einigermaßen früh schlafen, um den nächsten Tag genießen zu können.

Große Mauer:
Am Freitag fuhren wir etwas verspätet in einem kleinen Bus los zur Großen Mauer. Die Tour wurde von unserem Hostel geplant, wobei versprochen wird dass der besuchte Mauerabschnitt nicht vor Touristen überläuft, zumal wir noch an einem Wochentag unterwegs waren. Der Bus war etwas klein und klapprig, aber unser Fahrer beruhigte uns: Sie fahren schon seit drei Jahren mit dem Bus und es sei noch nie etwas passiert. Die Fahrt zur Mauer dauerte ca. zweieinhalb Stunden, wobei einem dabei erst die Größe von Beijing bewusst wird. Eineinhalb Stunden brauchten wir nämlich um erstmal aus Beijing heraus zu kommen. Auf dem Weg kamen an Badaling vorbei, einem der meistbesuchtesten Abschnitte der Mauer. Dort auf dem Parkplatz standen massenweise Reisebusse. Zum Glük fuhren wir daran vorbei und kamen kurz darauf bei „unserer“ Mauer an. 




Unsere Grupee bestand aus zwei Däninnen, einem Australier, einem Kanadier, zwei Isreaelis und Morgan und mir. Unser Guide gab uns eine kurzen Überblick über die Geschichte der Mauer und ließ uns dann auf der Mauer loslaufen. Der Abschnitt bis Turm Nummer drei war restauriert, danach begann die „Secret Wall“ die zum Teil stark verfallen und wieder überwachsen war. Der restaurierte Teil wurde mit Treppen ausgestattet, der unrestaurierte dagegen war oft mehr oder weniger ein künstlicher Abhang.
Wir hatten einen Tag mit wunderbarem Wetter und blauem Himmel erwischt, außerdemwaren tatsächlich außer uns nur noch 5 Chinesen auf dem Mauerabschnitt unterwegs. Wir konnten Aussicht, Wetter und Ruhe genießen. Vor allem von letzten beiden Türmen war die Aussicht überragend, sie waren die höchsten des Mauerabschnitts. Nach dreieinhalb Stunden auf der Mauer wurden wir dann zum Mittagessen in ein kleines Restaurant gefahren. Die Rückfahrt dauerte etwas länger, da wir mitten in ein Armeemanöver hineingeraten waren und ca. 50 Panzer die Straße kreuzten, was ziemlich lange dauerte.





Wenn jemand eventuell dieselbe Tour machen will: Leo Hostel, Dazhalan Xijie 52, 260 RMB. Man kann auch teilnehmen wenn man nicht im Hostel wohnt.

An der Stelle mache ich jetzt erstmal Schluss und schreibe im nächsten Update in ein paar Tagen mehr.

Montag, 19. September 2011

Nanjing Massacre Memorial Hall, Zifeng Tower und Qual der Wahl (Teil 2)

Am Sonntag war ich wieder mit einigen Deutschen in Nanjing unterwegs. Zuerst stand die Nanjing Massacre Memorial Hall auf dem Programm. 1937, nachdem Shanghai und Nanjing von den Japanern besetzt worden waren, begann in Nanjing ein ca. sechswöchiges Massaker. Bei teils organisierten Massenexekutionen, aber auch bei spontanen Morden wurden etwa 300.000 Chinesen getötet. Darunter waren Kriegsgefangene, Zivilisten, Frauen und Kinder. Die Morde wurden auf grausamste Weisen begangen, zwei japanische Offizieren lieferten sich einen Wettkampf um die ersten 100 enthaupteten Chinesen. Neben Morden kam es ebenso zu Massenvergewaltigungen und Plünderungen.
Die Memorial Hall um ein Massengrab von Opfern des Massakers aufgebaut. Ihr Herzstück ist ein Museumsrundgang, der (äußerst) detailliert den Ablauf der Invasion Japans, der Kämpfe um Shanghai und Nanjing und schließlich das Massaker beschreibt. Daran schließt sich eine Darstellung von Kriegsverbrecherprozessen gegen Japaner an. Das Museum ist angefüllt mit Gegenständen aus 1937 (Kleidung, Orden, Gebrauchsgegenstände, Waffen etc.). Die Hauptexponate sind allerdings Fotos, die hauptsächlich von japanischen Kriegsreportern stammen. Sie zeigen oft erschreckend detailliert den Hergang des Massakers, Opfer und Täter. In das Musuem integriert sind auch offengelegte Skelette von Opfern. Am Ende findet sich ein „Regal“, in dem Aktenordner mit den Namen der Toten stehen. Es ist etwa 6 Meter lang und mehr als doppelt so hoch.
 
 


















Ein wenig froh wieder an frischer Luft und im Tageslicht zu stehen waren wir uns einig, dass das Museum alles in allem zwar gut, aber etwas zu detailreich war. Viele Beschreibungstexte wiederholten sich inhaltlich. Außerdem fanden wir, dass man die Opfer nicht unbedingt im Museum ausstellen muss. Allerdings haben wir auch verstanden, warum sich das Massaker so tief in das Bewusstsein der Chinesen eingebrannt hat. Die begangenen Grausamkeiten sind kaum vorstellbar. Fotos zu machen war nicht erlaubt, da der Anblick der Bilder teilweise aber auch nicht sehr schön ist, ist das weniger schlimm.

Da noch etwas Tageslicht übrig war, haben wir uns entschlossen noch zum Zifeng Tower zu fahren. Er ist das höchste Gebäude Nanjings und das siebthöchste auf der Welt. Im 72. Stock befindet sich ein Rundgang, sodass man ganz Nanjing und Umgebung von oben bewundern kann. Von der Memorial Hall sind wir mit der Metro zu Gulou-Station gefahren, wo sich der Tower befindet. In der Metro ist man als Europäer in der Regel die Hauptattraktion. Niemand hat etwas zu tun, also wurden wir pausenlos angestarrt. Nicht selten guckt man auch in die schlecht versteckte Linse einer Handykamera (so ähnlich ging es uns auch in der Warteschlange zu Memorial Hall, nur dass dort niemand versucht hat die Kameras zu verstecken).
Nachdem man 80 Yuan berappt hat, darf man dann mit 8 Metern pro Sekunde in die Höhe fahren. Von dort biete sich einem ein fantastischer Blick über die Stadt. Man versteht nun, warum Nanjing auch die „Grüne Stadt“ genannt wird. Der Blick reicht über die Zijin Mountains bis zu dahinterliegenden Bergen, bis zum Yangzi. Auch der große Xuanwu Lake Park ist gut zu sehen (den muss ich noch besuchen). Hier lasse ich einfach mal die Bilder für sich sprechen.

                                                                    Zijin Mountains



                                                                       Xuanwu Lake Park












                                                                        Zifeng Tower

Wieder unten angekommen ging es schließlich noch zum Abendessen. Im Untergeschoss der Zifeng Mall sind einige Restaurants, wir haben uns für ein Steak Buffet entschieden. Es war Art Mischung aus einem Steakhouse und einem chinesischem Restaurant. Das Essen war sehr gut, außerdem war es äußerst amüsant Chinesen dabei zu beobachten, wie sie mit Stäbchen Steaks zu Essen versuchen.

Am Montag war es dann endlich soweit, Morgan und ich durften unsere Kurse wählen. Erstaunlicherweise waren die angebotenen Kurse dann größtenteils auf einmal doch die, die ich schon in Deutschland gewählt hatte. Als weitere Überraschung wurde für uns bereitgehalten, dass niemand weiß wann die Kurse starten werden. Mrs. Zhang, die Leiterin des International Office glaubt nicht, dass es vor dem 10. Oktober sein wird. Da wir aber keine drei Wochen in Nanjing hocken wollen, werden wir uns wohl demnächst um einen Trip nach Beijing kümmern, solange dort das Wetter noch halbwegs warm ist.

Samstag, 17. September 2011

Zijin Mountains

Um etwas Entspannung von der ewigen Warterei auf die Kurswahl zu suchen, war ich heute zusammen mit drei Deutschen die ich vor kurzem kennengelernt habe in den Zijin Mountains wandern. Zwei von den Deutschen machen in Nanjing ein Praktikum, die dritte besucht einen Sprachkurs an einer der zahlreichen Unis in Nanjing.
Die Zijian Mountains liegen sehr nahe am Mingguging Campus der NUAA und sind ein beliebtes Ziel für die Nanjinger. Hier gibt es auch einige Tempel und Mausolen, die aber nicht an den Wanderrouten sondern an großen Straßen liegen. Getroffen haben wir uns an einer U-Bahnstation, von dort ging es dann erst durch den „Park of Statues“, der auch sehr schön ist. Am Fuß vom höchsten Berg der Zijian Monuntains kann man sich dann wohl zwischen drei Wegen entscheiden, wobei nur einen gefunden haben. Es ging zum Teil sehr steil bergauf durch den Wald, wobei der Weg wenig ausgebaut ist und mehr an einen Trampelpfad erinnert. Außer zwei Chinesen haben wir den ganzen Weg über niemand anderen gesehen. Obwohl der Berg nur 440 Meter hoch ist, hat er uns ganz schön zu schaffen gemacht. Bei den hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit kamen wir sehr schnell ins Schwitzen. Leider waren Teile des Weges ziemlich vermüllt, anscheinend kommt hier niemand auf die Idee seinen Müll bis zum nächsten Mülleimer mitzunehmen.
 

















Oben angekommen hatten wir leider nur eine sehr schlechte Sicht, bei gutem Wetter hat man aber eine tolle Sicht auf Nanjing. Wir werden bei klarer Sicht nochmal raufsteigen und dann auch den Weg nehmen, der am schönsten sein soll. Trotz der schlechten Sicht sah es aber vom Gipfel aus schön aus, da Wolken Nebel und Smog einem Gefühl gaben gar nicht mehr so nahe an einer Großstadt zu sein (man konnte sie ja schließlich nicht mehr sehen). Außerdem wehte auf dem Gipfel ein schöner Wind, den man in Nanjing sonst nur selten erlebt.



 Nachdem wir uns oben etwas zu trinken gekauft haben, haben wir uns dann an den Abstieg gemacht. Da es langsam dunkel wurde wollten wir uns etwas beeilen. Leider haben wir einen falschen (sehr steilen) Abzweig genommen, der an einem verschlossenem Tor endete. Wir mussten alles wieder rauflaufen und dann den richtigen Weg nehmen, der komplett aus Treppenstufen bestand. An einer Straße haben wir uns dann ein Taxi angehalten. Es wurde wirklich dunkel und es hatte auch noch angefangen zu regnen. Rechtzeitig zum Essen war ich dann wieder auf dem Campus. Nach dem Essen haben wir uns dann noch bei einem aus der Praktikantentruppe in der Wohnung getroffen. Er wohnt in einem Hochhaus, von dessem Dach (33. Stock) man einen Superblick über Nanjing hat.



Dienstag, 13. September 2011

Qual der Wahl

Heue möchte ich euch über die Kurswahl an der NUAA berichten. Jetzt denken einige von euch bestimmt was ich denn wählen will, schließlich hatte ich doch schon alles fertig. Tja, leider ist aber die Kursliste die mir zugesandt wurde erstens für Undergraduates (weniger schlimm) und zweitens vollkommen veraltet oder schlicht falsch (schon eher schlimm). Keiner der Kurse die ich besuchen wollte, exisitert hier. Nachdem für die Chinesen die Vorlesungen schon vor zwei Wochen angefangen haben, konnten heute endlich alle Undergraduate Foreign Students ihre Kurse wählen. Auch wir 4 Graduate Students sollten zu dem Treffen kommen, wo uns dann mitgeteilt wurde, dass für ein Lehrer im anderen Stock zuständig ist, der heute nicht da ist. Somit wurden wir nochmal auf Morgen vertröstet. Mitch, ein Kanadier regt sich auf, weil an anderen Unis wie z. B. der Nanda für Ausländer alles um einiges reibungsloser abläuft. Er war jetzt schon zum dritten mal zur vermeintlichen Kurswahl da.
Nachdem wir also ein weiteres mal gescheitert waren, sind wir in ein Restaurant Off-Campus zum Mittagessen gegangen. Dort habe ich das beste Schweinefleisch Süß-Sauer meines Lebens gegessen, aber auch alle anderen Gerichte waren sehr gut. Gekostet hat es pro Nase wieder mal nur 2,80€.
Inzwischen ist es hier wieder unglaublich heiß geworden, was uns aber immerhin einen blauen Himmel beschert hat. Endlich mal nicht die graue Smogglocke über sich zu haben ist ein sehr angenehmes Gefühl. Immerhin konnte ich heute meine Aufenthaltsgenehmigung abholen, die bis zum 31.07.2012 gilt. Spätestens dann müsst ihr mich also wieder in Deutschland ertragen ;-)

Sonntag, 11. September 2011

Karaoke und Ellen's

 Sonntagnachmittag war ich zum ersten Mal in einer chinesischen Karaoke-Bar (Karaoke wird hier KTV genannt). Bar ist allerdings der falsche Ausdruck, das Gebäude war etwa so groß wie das Mariott in Frankfurt und vollgestopft bis oben hin mit kleinen Lounges. Die Auswahl der Songs war komplett auf Chinesisch, zum Glück hatten wir aber auch zwei Chinesen dabei, der Rest waren Franzosen und ich. Bald nachdem wir losgelegt hatten zu Rocken, kamen dann auch Getränke und Snacks. Für die westliche Fraktion stand Popcorn bereit, China Fans konnten frittierte Hühnerfüße und gesalzene Erbsenschoten probieren. Die Schoten waren ganz OK, die Hühnerfüße aber etwas überwürzt. Außerdem weiß man einfach nicht was man daran essen soll, weil es schließlich nur Haut und Knochen sind.




Nach anstrengenden drei Stunden KTV ging es schließlich zum Abendessen zu Ellen's, einer der berühmtesten internationalen Bars in Nanjing. Jeder der zu Ellen kommt, kann sich auf den Wänden mit einer Botschaft verewigen (leider hatte ich bisher keinen Stift dabei wenn ich bei Ellen's war, wenn meine Botschaft steht gibts aber garantiert ein Bild!). Dementsprechend sind die Wände bekritzelt mit allem möglichen Dingen. Zu Essen gab es, ganz unchinesisch, Burger und Pizza. Einige sind danach feiern gegangen, da ich allerdings am Samstag schon im Club war bin ich zum Ausruhen zu Hause geblieben.
Bemerkenswert wenn man Ausländer in Nanjing feiern geht ist, dass man am Eingang direkt vom Manager abgefangen wird, in eine Art VIP Bereich geführt wird und einige Vergünstigungen bekommt. Ausländische Kunden locken eben umso mehr Chinesen an.



Leider ist mein Internet hier so unglaublich langsam und verliert so oft die Verbindung, dass ich Bilder nur in schlechter Qualität und begrenzter Anzahl hochladen kann. Sorry!
Wenn ich wieder da bin gibt es aber in DA und FFM bestimmt eine Fotoshow ;-)

Das wars dann erstmal von mir, bis bald! :-)

Ankunft und die ersten Tage

Jetzt habe ich endlich Internet und kann euch zusammengefasst schreiben, was in meinen ersten Tagen in Nanjing so alles passiert ist:

Nach einem ereignisarmen Flug (außer ca. 2 Stunden Verspätung war nichts passiert), bin ich am 5. September bei gemütlichen 26 °C in Nanjing gelandet. Nachdem ich mich durch die Einreisekontrollen geschwitzt hatte, tauschte ich erstmal Geld und reihte mich dann am Taxistand ein, wo ich auch gleich zu einem wartendenen Taxi gewunken wurde. Dem Fahrer wedelte ich mit dem Zulassungsschreiben der Uni unter der Nase herum, da dort der Name der Uni auf chinesisch draufsteht. Der nickte glücklich, bedeutete mir das Gepäck in den Kofferraum zu legen und fuhr los. Nach 2 Metern legte er aber eine Vollbremsung hin und rief seinen Einweiserkollegen einen der wenigen chinesischen Brocken zu die ich kann: Wo bu zhidao! („Das weiß ich nicht!“ oder „Das kenne ich nicht!“) Nach einigen Minuten Diskussion war man sich aber einig wo die NUAA liegen müsste und die Fahrt ging los. Solange wir auf dem Highway zwischen Stadt und Flughafen fuhren, war nicht von dem üblichen Chaos zu merken, abgesehen von ein paar Lichthupern und dem ständigen simultanen Benutzens zweier Handys meines Fahrers. Sogar Sicherheitsgurte waren vorhanden und (auch vom Fahrer!) angelegt. Je weiter wir in die Stadt hineinkamen desto mehr wurde gehupt und gedrängelt, wobei die meisten aber sogar bei Rot stehen blieben. Rechtsüberholen oder spontanes Spurenwechseln gehören aber selbstverständlich zum guten Ton.
Nach ca. 30 Minuten Fahrt, die ich mir schlimmer vorgestellt hatte, hielten wir dann tatsächlich am Campus der NUAA an. Die ganze Fahrt hatte nur 11,90€ gekostet. Beim Pförtner ging das Spiel mit der Zulassung von vorne los, da ich herausfinden wollte wohin ich als nächstes muss. Zum Glück mischte sich direkt eine chinesische Studentin ein, die gut Englisch sprach und per Telefon für mich in Erfahrung brachte, wohin ich gehen sollte.
Kurz darauf standen mir dann zwei Phd-Studenten meines betreuenden Professors gegenüber. Weder vom Professor noch von seinen beiden Mitarbeitern hatte ich vorher je etwas gehört, die beiden fingen aber sofort an sich um mich zu kümmern. Vom Schlafplatz im Wohnheim bis zum Abendessen mit ihren chinesischen Freunden war alles innerhalb weniger Stunden geregelt. Beim Abendessen holte mich allerdings der Jetlag ein. Deswegen war ich sehr froh als es endlich rum war und ich auf mein Zimmer konnte. Dort lernte ich dann meinen Zimmerkumpanen Steven kennen, ein Franzose der für 4 Monate an der NUAA ist.

Am zweiten Tag ging es mit dem Organisieren verschiedener Dinge weiter. Zuerst wurden mir eine chinesische SIM Karte gekauft und Bürogänge zum Erlangen einer Uni-Card erledigt. Das Mittagessen in der Mensa war mit 70 Cent unschlagbar günstig und überraschend lecker. Mit der Uni-Card kann ich jetzt auch in der Mensa bezahlen, aber leider immer noch nicht die Wohnheimstür öffnen, weswegen ich beim Hinein- und Herauskommen immer auf jemanden warten muss, der mir aufmacht.
Schließlich gab es nichts mehr zu tun außer warten, also ging ich zurück ins Zimmer. Dort traf ich dann drei Landsleute von Steven, die länger an der NUAA bleiben. Zwei von Ihnen waren bereits wieder aus dem Wohnheim ausgezogen, in ihrer neuen Wohnung (90 m²) zahlen sie nur etwa die doppelte Miete des Wohnheims (etwa 120 € pro Monat). Pierre, der im Wohnheim geblieben ist und einen Double Degree macht, hat es bereits innerhalb der ersten 10 Tage geschafft seinen Pass zu verlieren.

Die Tage danach wurden, soweit wie es ging, mit Organisieren verbracht. Unter anderem war meine Aufenthaltserlaubnis noch zu erledigen. Zuerst brauchte ich ein Formular von der örtlichen Polizeiwache. Auf dem Weg dorthin habe ich einen Friseur gesehen, der sich „Hair Managment Consulting“ nennt. Dieses Formular musste dann wiederrum im Visa Offive abgegeben und um weiter Formulare ergänzt werden. Die Reise dorthin war allerdings etwas abenteuerlich. Wir sind zuerst mit dem Bus gefahren und dann noch ein Stück gelaufen. Dabei ging es kreuz und quer über mehrspurige Straßen, bei denen es nur selten echte Fußgängerüberwege gibt. Sind welche da, nützen sie aber sowieso nichts, da kein Auto anhält. Man muss immer warten bis eine Ampel abwärts an der Straße rot wird und die Autos sowieso nicht fahren dürfen. Im Office angekommen, wurde sich wieder brav in Schlangen angestellt, abgeschrieben, kopiert und auf den unvermeidlichen roten Stempel auf jedem Formular gewartet. Am Ende hatte aber zum Glück alles seine Richtigkeit.

Steven und ich haben festgestellt, das unsere Netzwerkdose kaputt ist und Internet deswegen sowieso nicht funktionieren würde, selbst wenn das System mich endlich freigeben würde. Die Managerin des Wohnheims versteht zwar kein Wort Englisch, mit einigen beherzten „Lai bing, Lai bing!“ (in etwa: Komm mal gucken!) kann man sie aber ins Zimmer locken und ihr per Handzeichen klar machen was kaputt ist. Darauf folgt ein langer Schwall Chinesisch, nach dem man nur hoffen kann dass sie jemanden anruft der zum Reparieren kommt. (Inzwischen hat Steven die Sache selbst in die Hand genommen und den verbogenen Pin in der Dose gerade gebogen. Trotzdem haben wir aber nur einen Stecker für zwei Personen.).

Außerdem möchte ich euch noch den Campus vorstellen, auf dem ich wohne:
Der Minggugong Campus der NUAA ist eine kleine Stadt für sich, in der alles existiert was man zum Leben braucht. Wohnheime, Supermärkte, Cafe's, Mensen und Sportanlagen. Er ist außerdem sehr grün, mit vielen Bäumen und Alleen. Das Gelände wird von ein paar Kanälen durchzogen, die an einer Stelle auch einen kleinen See mit einer begehbaren Insel bilden. Diese Kanäle verströmen aber, vor allem bei warmen Wetter, einen ähnlich unangenehmen Geruch wie die Waschbecken der Wohnheimzimmer und die Gullideckel. Daraus lässt schließen, dass sie nicht nur zur Verschönerung des Campus existieren.
Das Gebäude des Ausländerwohnheims ist das neueste der Wohnheime, es wurde erst vor ein paar Jahren gebaut. Das merkt man ihm allerdings nicht an. Meine Wohnung besteht aus einem Wohnzimmer, zwei Schlafräumen und einem Bad. Im Wohnzimmer steht sogar ein Fernseher, der aber nicht funktioniert. In einer Nische des Wohnzimmers sind die Waschbecken, im Raum nebenan Dusche und Klo. Das Klo ist ein typische chinesisches Klo, welche ein bischen gewöhnungsbedürftig sind. Die Schlafräume sind für vier Personen ausgelegt, mit denen es auch ziemlich eng werden würde. Zum Glück dürfen die Foreign Students aber zu zweit auf einem Zimmer wohnen. In dieser Belegung ist das Zimmer sogar recht groß. In den Supermärkten nebenan gibt es neben fast alles was man braucht auch einige Sachen die man nicht braucht, wie zum Beispiel Pringles mit Krabben-Geschmack.
In den vier verschiedenen Mensen gibt es jeweils Frühstück, Mittag- und Abendessen. Dabei ist die Auswahl pro Mensa zu allen drei Zeiten gleich. Da sie aber sehr groß ist, stört es nicht weiter. Die beiden Mensen im Erdgeschoss könnten etwas schmackhafter sein, die im Obergeschoss sind aber gut (und auch etwas teurer). Manche Gerichte sehen aber schon ein bischen komisch aus, wie zum Beispiel Gemüse mit einem großen gebratenem Fischkopf. Andere wiederum sehen nicht komisch aus, schmecken aber dafür wie ein großer gebratener Fischkopf. Reis, Nudeln, Frittiertes und normales Gemüse kann man aber ohne Bedenken essen. Wenn man aber trotzdem mal keine Lust auf die Mensa hat, kann man sich in den Supermärkten Fertigsachen kaufen oder eines der zahlreichen kleinen Restaurants außerhalb vom Campus ausprobieren (das habe ich aber noch nicht gemacht). Im Moment gibt es auch überall Mondkuchen zu kaufen, da das Mondfest gefeiert wird. Die Mondkuchen sind mit allerlei Sachen wie Nüssen, Ei oder irgendwelchen Süßen Pasten gefüllt. Da sie sehr satt machen und billig sind (ca. 0,2 €), kann man sie gut als ganze Mahlzeit essen.