Zuerst möchte ich sagen, dass ich die Bilder ab diesem Eintrag wieder in besserer Qualität hochgeladen habe, weil mein schnelles Internet wieder funktioniert.
Am 19. Januar machten wir uns also auf nach Vietnam. Personen, die in Hekou gemeldet sind brauchen keinen Reisepass um nach Vietnam einzureisen, also begleitete uns ein Freund von Peter über die Grenze, während Peter und ein anderer Freund den alternativen Weg nahmen. Der Grenzübertritt war in beiden Fällen unkompliziert und schnell. Die Grenzstadt in Vietnam heisst Lao Cai. In ihr wird Handel mit China betrieben, außerdem kommen hier die Touristen an die nach Sa Pa wollen (so wie wir, nur dass wir die einzigen waren die nicht aus Hanoi kamen).
An der Grenze angekommen suchten wir uns zuerst eine Möglichkeit, Geld zu tauschen. Unsere „Bank“ bestand aus drei Frauen mittleren Alters, die vor der Zollhalle auf wackeligen Stühlen saßen. Da die vietnamseische Währung Dong lächerlich wenig wert ist, waren wir nach dem Tauschen alle Millionäre. Für 500 Yuan bekam ich sagenhafte 1.690.000 Dong. Nach dem Frühstück ging das Gefühl des Reichtums aber schnell vorüber. Unsere Nudelsuppen kosteten ca. 30.000 Dong und so begannen unsere Millionen schnell zu zerfließen.
Einer von Peters Freunden, der in Hanoi studiert und Vietnamesisch spricht, hatte uns einen Fahrer nach Sa Pa organisiert. Sa Pa liegt in den Bergen über Lao Cai. Es ist deshalb so berühmt, weil es eine Siedlung nach komplett französischem Vorbild ist. In der Kolonialzeit hatten sich einige Franzosen in Indochina auf Reisen gemacht und hatten Sa Pa als perfekten Ort befunden, um dort zu leben. Und tatsächlich die Gegend ist wunderschön.
Ebenso berühmt wie Sa Pa selber sind die Wandermöglichkeiten in den Bergen drumherum, für die aber keine Zeit hatten da wir nur einen Tag blieben. Die Stadt besteht, wie alle Touristenzentren, hauptsächlich aus Läden und Hotels. Außerdem versuchen Angehörige der lokalen Minderheiten aufdringlich, ihre „Handicrafts“ unters Volk zu bringen. Aber wir hatten trotz allem Spaß, wanderten durch die Stadt und saßen eine Zeit auf der Terrasse eines Restaurants. Nach dem Mittagessen setzten wir uns an den örtlichen See, wo ich mir auch den ersten kleinen Sonnenbrand des Jahres holte.
Gegen Abend machten wir uns wieder auf den Weg nach Lao Cai. Peter und seine Freunde mussten zurück nach China und wir unseren Nachtzug nach Hanoi erwischen. Unser nächstes Ziel war nämlich die Ha Long Bucht in der Nähe von Hanoi. Man könnte es so etwas wie „Shilin am Meer“ nennen, da Felsformationen wie ein Wald aus dem Meer ragen. In dem äußerst komfortablen Nachtzug hatte Jason einen Vietnamesen kennengelernt, der ihm die Adresse einer Busstation gegeben hatte. Von dort sollten angeblich Busse nach Ha Long fahren. Frühmorgens in Hanoi stellten wir zuerst fest, dass Taxifahren deutlich teurer ist als in China. Für die Fahrt zum Busbahnhof legten wir 250.000 Dong hin. Wir erwarteten, dass vom Busbahnhof ein Touri-Bus nach dem anderen abfahren würde, wir sahen aber kein einziges Schild das einen Bus nach Ha Long versprach. Trotzdem setzte uns ein Mann in seinen Bus und versprach, uns nach Ha Long zu bringen. Es war aber kein Touri-Shuttle Bus, sondern ein Überland Bus der jedes Dorf auf der Strecke abklapperte und anschließend nach Hanoi zurückfuhr. Der Chef hatte Ha Long wohl nur auf den Fahrplan gesetzt, weil wir mitfuhren. Unsere Fahrt nach Ha Long dauerte so ca. 5 Stunden. Im nach hinein war das aber weniger schlimm, da die Rundfahrten in der Bucht erst nach Mittag beginnen und wir sonst sinnlos am Pier herumgesessen hätten. So bekamen wir wenigstens die vietnamesische Landschaft und einige kleinere Städte zu sehen.
Hier fällt vor allem auf, dass die Miethochhäuse fehlen, die es in China überall gibt. Statdessen bevorzugen Vietnamesen sehr schmale, zwei- bis dreistöckige Häuser. Außerdem merkt man, dass der Motorroller das absolut beliebteste Verkehrsmittel ist. Es wurde eine Helmpflicht eingeführt und auch streng durchgesetzt, worauf man in China wohl noch lange warten muss. Mit den Ampeln hat es aber auch in Vietnam noch nicht so ganz geklappt, so gut wie niemand hält sich daran. Auf dem Highway gibt es dagegen eine klare Regel: der stärkere hat Vorfahrt. Auch wenn das bestimmt nicht die beste Lösung ist, ist es besser als das pure Chaos auf chinesischen Straßen, wo jeder macht was er will.
In Ha Long angekommen nahmen wir uns ein Taxi zum Pier der Ausflugsboote. Zuerst wollten wir etwas Essen und landeten schließlich in einem ziemlich schäbigen Restaurant, hier waren die Preise aber wenigstens noch akzeptabel. Danach machten wir uns auf die Suche nach einem Boot. Das war schwieriger als gedacht, da die meisten Touristen mit einem Bus Hanoi kommen und die Boote als Gruppe im Voraus buchen. Uns sprach aber ein Mann an der uns auf ein Boot bringen wollte und nach kurzen Verhandlungen machten wir einen Preis von 900.000 Dong aus. Dann begann nochmal eine Warterei, in der wir befürchteten übers Ohr gehauen zu worden sein. Letztendlich saßen wir aber dann doch in einem Boot.
Schon in Hanoi hatten wir befürchtet, dass das Wetter wieder nicht mitspielt. Es war bewölkt und regnete. In Ha Long hatte aber wenigstens der Regen aufgehört und wir saßen auf dem Obderdeck des Bootes und genossen die Aussicht. Trotz Nebel und Wolken gab es einiges zu sehen. Wir konnten aber nicht leugnen, in der größten Touri-Veranstaltung unseres Trips gelandet zu sein. Wir machten mehrere Stops um eine langweilige Seafood Farm anzugucken oder um Proviant kaufen zu können.
Am Ende fuhren wir noch zu einer Grotte, die sich in einer der Hügel befand. Die Grotte war beeindruckend, aber leider in unrealistischen Farben ausgestrahlt und deswegen ziemlich kitschig.
Auch wenn es jetzt eher negativ klang, hatten wir doch viel Spaß und sahen die schlechten Seiten mit Humor. Im Preis dabei war die Busfahrt zurück nach Hanoi, wo wir möglichst noch einen Nachtbus oder -zug nach Lao Cai erwischen wollten. Wir kamen aber zu spät an und mussten also eine Nacht in Hanoi verbringen. Wir fanden ein nettes Hostel im Zentrum, in dem wir auch gleich Zugfahrkarten für den nächsten Abend buchen konnten. Zum Abendessen machten wir die Entdeckung, dass die Franzosen nicht nur eine harte Kolonialherrschaft geführt haben, sondern auch ein tolles Geschenk in Vietnam gelassen haben: Brot. Nach einem halben Jahr brotloser Zeit in China konnten wir in Vietnam an jeder Straßenecke ein Sandwich kaufen, einmal entdeckten wir sogar Döner. Danach setzten wir uns auf den Balkon einer Bar und ruhten uns dort noch eine Zeit lang aus.
Am nächsten Tag guckten wir uns Hanoi an, wobei das Zentrum nicht sehr groß ist. Es gibt einen See, um den sich alles andere aufbaut. Auffallend ist die große Menge an Touristen, die aber alle nicht lange bleiben und nur auf Kurzbesuch von Saigon aus gekommen sind. Außerdem guckten wir uns das Revolutionsmuseum an. Dort sind die Loslösung von den Franzosen sowie der Vietnamkrieg thematisiert.
Abends warteten wir in einem Cafe auf unseren Zug nach Lao Cai und tranken ein Abschiedsbier auf Vietnam.
In Lao Cai liefen wir zur Grenze, dieses Mal nahmen es der chinesische Beamte aber etwas genauer. Die Zeit wurde knapp, da wir schon Fahrkarten für einen Bus nach Kunming hatten. Zurück in Hekou sprinteten wir also zu Peters Wohnung, schnappten unser Gepäck und fuhren im Taxi zur Busstation. Wir kamen gerade noch rechtzeitig. In Kunming machten wir es uns dann wieder im Upland Hostel gemütlich, dort stand eine Jiaozi Party zum chinesischen Neujahr an. Dazu aber beim nächsten mal mehr!
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