Freitag, 3. Februar 2012

Lijiang und Tiger Leaping Gorge

Der Nachtzug aus Kunming kam in Lijiang um 5.00 Uhr morgens an. Die Bahnstation liegt in der Neustadt, also nahmen wir uns ein Taxi und fuhren zur Altstadt. Wir kamen in Mama Naxi's Guesthouse unter. Die Naxis sind eine der vielen Minderheiten die in Yunnan leben. Mama its eine Naxi, deren Familie zwei Gästehäuser in Lijiang und eines in Dali betreibt. Sie ist ein absolutes Multitasking Talent, das entweder mit Coboyhut oder Kochmütze auf der Mission ist, die Gäste zufriedenzustellen. Die beste Zurschaustellung ihres Talentes bot sie, als sie lautstark ein Telefongespräch führte, parallel alle Gläser der Gäste einsammelte und wusch, ebenso parallel einen Milchshake zubereitete und ihn an die Gäste verteilte. Außerdem schaute sie zwischendurch bei ihrer Familie vorbei, die sich gebannt amerikanisches Wrestling anschaute. Kurz gesagt, im Hauptraum war immer was los, aber gleichzeitig war es gemütlich. Nur die unbeheizten Schlafzimmer waren etwas kalt.
Lijiangs Altstadt ist in China sehr berühmt, aber wie alles was in China berühmt ist ist es dort sehr touristisch. Die Häuser sind schön anzuschauen, in jedem Erdgeschoss befindet sich aber ein Laden der nutzlosen Tand zu noch höheren Preisen verkauft als der Laden nebendran. Die Gassen sind aber trotzdem immer verstopft mit Touristen. Ebenfalls in Lijiang gibt es die Möglichkeit, das wohl berühmteste Foto in Yunnan zu schießen: die Pagode Black Dragon Pools mit Berglandschaft. Das Wetter meinte es leider nicht gut mit mir und ich erwischte einen wolkigen Tag.

Im Guesthose hatten wir drei Amerikanerinnen kennengelernt, die am selben Tag angekommen waren und zur selben Zeit in die nahegelegene Tiger Leaping Gorge wollten wie wir. Dieser Trip ging aber erst am nächsten Tag los, also zogen wir erstmal mit ihnen durch Lijiang. Besonders bemerkenswert ist die freiweillige Feuerwehr von Lijiang:




Im Black Dragon Pool Park stiegen wir dann noch auf den Elephant Hill. Dabei hatten wir einige Mühen, da wir uns noch nicht wirklich an die Höhe von ca. 2000 Metern gewöhnt hatten. Die Aussicht von oben war die Mühen absolut nicht wert, da sich die Berge inzwischen vollkommen in die Wolken hatten.





Am nächsten Tag machten wir uns wie geplant im Minibus vom Hostel auf zur Tiger Leaping Gorge (Tigersprung Schlucht). Der Legende nach ist ein Tiger über die komplette Schlucht gesprungen, was man aber kaum glauben kann wenn man die Schlucht dann mal sieht. Der tag fing für mich denkbar schlecht an. Obwohl mir mein Magen gesagt hatte dass ich besser nichts frühstücken sollte, hatte ich mir ein Müsli bestellt. Nach der ziemlich schaukeligen Fahrt zur Schlucht ging es mir dann aber so schlecht, dass ich kurz davor war nach Lijiang zurückzufahren. Nachdem ich mich meines Frühstücks wieder entledigt hatte, ging es mir aber sofort besser. Morgan und Jason übernahmen abwechselnd meinen Rucksack und so machten wir uns an den Aufstieg.

Auch hier hatten wir wieder Pech mit dem Wetter. Generell war ich nicht in der Stimmung Fotos zu machen, was die beiden Gründe weshalb ich vom ersten Tag in der Schlucht nicht gerade viele hab. In regelmäßigen Abständen verkaufen Naxi Frauen in der Schlucht Lebensmittel und Wasser und, aus irgendeinem Grund, auch Marihuana (Drogenhandel wird in China konsequent mit dem Tod bestraft). Der Endanstieg zum höchsten Punkt des Pfades (2670 m) besteht aus 28 Windungen, die besonders an diesem tag eine Qual für mich waren. Oben angekommen wusste ich aber dass das Schlimmste vorrüber ist und ich bekam wieder Appetit. Nach zwei sündhaft teuren Snickers am Feuer der Marihuana-Frau fühlte ich mich wieder etwas besser, außerdem war es der richtige Zeitpunkt um ein paar Fotos zu machen. So weit oben schneite es sogar, davon blieb aber nichts liegen.

Vom höchsten Punkt dauerte es noch ca. zwei Stunden bis zum Tea Horse Guesthouse, wo wir auch Adrie, Jessica und Alicia wiedertrafen, die vorraus gelaufen waren. Auf das Abendessen dort hatte ich wieder keine Lust und verzog mich schnell ins (beheizbare) Bett. Ich blieb aber noch lange genug am Feuer sitzen und die Geschichten von den anderen zu hören, die wir auf dem Trek getroffen hatten. Einerseits war da ein Pärchen aus Kalifornien, die zwischen Bachelor und Master ein paar Jahre in der Welt Englisch unterrichten, um Erfahrungen zu sammeln. Zum anderen trafen wir ein dänisches Paar, die ihre Jobs aufgegeben hatten und den Weg nach China komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt hatten. Sie waren jetzt schon vier Monate lang in China unterwegs. Wann sie mit dem Reisen aufhören wollen, wussten sie noch nicht.

Am nächsten Tag fühlte ich mich wieder deutlich besser. Nach einem Naxi-Sandwich (ohne Drogen) zum Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg und ich konnte auch wieder meinen eigenen Rucksack tragen. Der Tag versprach deutlich schöner zu werden als der letzte, solange die Sonne aber noch nicht über den Bergen stand war es ziemlich kalt.




Nach dem Sonnenaufgang war es aber wunderbar warm und wir machten häufig Pausen um einfach nur die Aussicht genießen zu können. Wir konnten alle Berge um uns herum sehen und am Ende der Schlucht war ein anderes Bergmassiv sichtbar. Hier lasse ich jetzt einfach mal die Bilder für sich sprechen.













Gegend Abend trafen wir wieder in Lijiang bei Mama Naxi ein, wo wir unser Restgepäck verstaut hatten. Wir blieben noch zum Abendessen und nahmen dann den Zug zurück nach Kunming. Zum Abschied gab es von Mama einen Schmatzer auf die Wange, außerdem mussten wir versprechen auf uns aufzupassen.

In Kunming kamen wir wieder früh am Morgen an. Am Bahnhof warteten wir auf Peter, mit dem wir zu den Reisterassen nahe Yuanyang fahren wollten.

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