Freitag, 3. Februar 2012

Yuanyang Reisterrassen und Hekou

In Kunming holte uns Peters Vater vom Bahnhof ab. Peter kommt aus Hekou, einer Grenzstadt zum Vietnam. Yuanyang liegt dabei praktisch auf dem Weg und da Peter auch noch nie bei den Terrassen war, machten sie dort einen Stop. Wir wollten ein Nacht in Yuanyang bleiben und dann über Kunming nach Xishuangbanna fahren. Xishuangbanna ist eine Region im Grenzgebiet zu Laos, das berühmt für seine Naturparks ist.
Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir in Yuanyang an, eine Stadt am Fuß vom Berg an dem die Terrassen liegen. Hier begann der spannende Teil, denn wir versuchten auf den Berg heraufzufahren. Dabei bekamen ein Lehrstück chinesischer Fahrkultur zu sehen. Auf der zweispurigen Straße hatte sich ein Stau gebildet. Nachdem eine halbe Stunde gar nichts passiert war, machte sich Peter auf den Weg um die Ursache zu erkunden. In einer dunklen Vorahnung äußerte Jason, dass der Stau bestimmt einen "chinesischen" Grund hat. Und tatsächlich, anscheinend standen sich einfach zwei Autos gegenüber und keiner war bereit, auch nur einen Zentimeter bereits zurückgelegte Strecke aufzugeben. Dazu kam, dass regelmäßig Fahrer am Ende vom Stau meinten, ihn auf der anderen Spur umfahren zu können. Natürlich nur bis sie auf der Gegenspur Autos begegneten die auf dem Weg nach unten waren und sich sofort ein neuer Stau bildete. Trotz allem war es aber ein schöner sonniger Tag und Jason beschloss frohen Mutes, die Sache in die Hand zu nehmen. Auf dem Weg zur Ursache des Übels kauften wir uns ein Bier und begannen dann, den Verkehr zu regeln. Einigen Fahrern passte das absolut nicht, da wir sie anhielten während andere fahren durften und dass natürlich äußerst unfair war. Ein großer Laster der auf der Gegenspur von unten heraufgefahren kam hätte unsere Arbeit fast wieder zunichte gemacht, aber nach zwanzig Minuten hatten wir den Stau tatsächlich aufgelöst. Gerade noch rechtzeitig kamen wir dann am Aussichtspunkt an, um den Sonnenuntergang über den Terrassen zu sehen. Diese sind im Winter geflutet und das Licht wird auf ihnen reflektiert. Leider lag unser Aussichtspunkt im Gegenlicht, so dass mir nicht sehr viele gute Bilder gelungen sind.







Nach dem Sonnenuntergang meint Peter dann schließlich, dass anstatt in Yuanyang zu bleiben auch mit nach Hekou fahren und bei ihm übernachtenkönnten. Das Angebot nahmen wir dankbar an. In Hekou aßen wir noch ein spätes Abendessen und gingen dann schlafen. Am nächsten Tag gaben wir dann den Plan auf nach Xishuangbanna zu fahren, da das ganze mit einer ewigen Busfahrerei verbunden gewesen wäre. Stattdessen liebäugelten wir nun mit Vietnam, dass gerade mal am anderen Ufer des Flusses lag. Eine Brücke für Handel und Personenverkehr macht den Grenzübergang ziemlich leicht.


In der Zeit in wir überlegten und planten, trafen wir uns mit Peters Freunden und ruhten uns einfach nur aus. Hekuo ist eine kleine Stadt und sonst gibt es dort nicht viel zu tun. Abends gibt es aber schöne Sonnenuntergänge über den Bergen von Vietnam zu sehen.

Hier tappten wir auch in die Falle der chinesischen Gastfreundschaft, denn sowohl Peter als auch alle seine Freunde luden uns ständig zum Essen ein, ohne uns eine Chance zu geben uns zu revanchieren. Wenn wir zur Bedienung davonschlichen um den anderen beim Bezhalen zuvorzukommen, mussten wir immer feststellen dass die Rechnung schon beglichen war.
Letztendlich entschlossen wir uns zu einem Trip nach Vietnam, da Hanoi und die berühmte Ha Long Bucht nur eine Nachtzugfahrt entfernt lagen. Peter wollte gerne mit, da er aber keinen Reisepass hat konnte er in keinen Hotels übernachten und nicht offiziell aus China ausreisen. Schließlich entschloss er sich den inoffiziellen Weg in Form eines kleinen Bootes über den Fluss zu nehmen, um zumindest mit uns in nahegelegene Sa Pa kommen zu können. Über Vietnam schreibe ich aber im nächsten Update mehr!

Lijiang und Tiger Leaping Gorge

Der Nachtzug aus Kunming kam in Lijiang um 5.00 Uhr morgens an. Die Bahnstation liegt in der Neustadt, also nahmen wir uns ein Taxi und fuhren zur Altstadt. Wir kamen in Mama Naxi's Guesthouse unter. Die Naxis sind eine der vielen Minderheiten die in Yunnan leben. Mama its eine Naxi, deren Familie zwei Gästehäuser in Lijiang und eines in Dali betreibt. Sie ist ein absolutes Multitasking Talent, das entweder mit Coboyhut oder Kochmütze auf der Mission ist, die Gäste zufriedenzustellen. Die beste Zurschaustellung ihres Talentes bot sie, als sie lautstark ein Telefongespräch führte, parallel alle Gläser der Gäste einsammelte und wusch, ebenso parallel einen Milchshake zubereitete und ihn an die Gäste verteilte. Außerdem schaute sie zwischendurch bei ihrer Familie vorbei, die sich gebannt amerikanisches Wrestling anschaute. Kurz gesagt, im Hauptraum war immer was los, aber gleichzeitig war es gemütlich. Nur die unbeheizten Schlafzimmer waren etwas kalt.
Lijiangs Altstadt ist in China sehr berühmt, aber wie alles was in China berühmt ist ist es dort sehr touristisch. Die Häuser sind schön anzuschauen, in jedem Erdgeschoss befindet sich aber ein Laden der nutzlosen Tand zu noch höheren Preisen verkauft als der Laden nebendran. Die Gassen sind aber trotzdem immer verstopft mit Touristen. Ebenfalls in Lijiang gibt es die Möglichkeit, das wohl berühmteste Foto in Yunnan zu schießen: die Pagode Black Dragon Pools mit Berglandschaft. Das Wetter meinte es leider nicht gut mit mir und ich erwischte einen wolkigen Tag.

Im Guesthose hatten wir drei Amerikanerinnen kennengelernt, die am selben Tag angekommen waren und zur selben Zeit in die nahegelegene Tiger Leaping Gorge wollten wie wir. Dieser Trip ging aber erst am nächsten Tag los, also zogen wir erstmal mit ihnen durch Lijiang. Besonders bemerkenswert ist die freiweillige Feuerwehr von Lijiang:




Im Black Dragon Pool Park stiegen wir dann noch auf den Elephant Hill. Dabei hatten wir einige Mühen, da wir uns noch nicht wirklich an die Höhe von ca. 2000 Metern gewöhnt hatten. Die Aussicht von oben war die Mühen absolut nicht wert, da sich die Berge inzwischen vollkommen in die Wolken hatten.





Am nächsten Tag machten wir uns wie geplant im Minibus vom Hostel auf zur Tiger Leaping Gorge (Tigersprung Schlucht). Der Legende nach ist ein Tiger über die komplette Schlucht gesprungen, was man aber kaum glauben kann wenn man die Schlucht dann mal sieht. Der tag fing für mich denkbar schlecht an. Obwohl mir mein Magen gesagt hatte dass ich besser nichts frühstücken sollte, hatte ich mir ein Müsli bestellt. Nach der ziemlich schaukeligen Fahrt zur Schlucht ging es mir dann aber so schlecht, dass ich kurz davor war nach Lijiang zurückzufahren. Nachdem ich mich meines Frühstücks wieder entledigt hatte, ging es mir aber sofort besser. Morgan und Jason übernahmen abwechselnd meinen Rucksack und so machten wir uns an den Aufstieg.

Auch hier hatten wir wieder Pech mit dem Wetter. Generell war ich nicht in der Stimmung Fotos zu machen, was die beiden Gründe weshalb ich vom ersten Tag in der Schlucht nicht gerade viele hab. In regelmäßigen Abständen verkaufen Naxi Frauen in der Schlucht Lebensmittel und Wasser und, aus irgendeinem Grund, auch Marihuana (Drogenhandel wird in China konsequent mit dem Tod bestraft). Der Endanstieg zum höchsten Punkt des Pfades (2670 m) besteht aus 28 Windungen, die besonders an diesem tag eine Qual für mich waren. Oben angekommen wusste ich aber dass das Schlimmste vorrüber ist und ich bekam wieder Appetit. Nach zwei sündhaft teuren Snickers am Feuer der Marihuana-Frau fühlte ich mich wieder etwas besser, außerdem war es der richtige Zeitpunkt um ein paar Fotos zu machen. So weit oben schneite es sogar, davon blieb aber nichts liegen.

Vom höchsten Punkt dauerte es noch ca. zwei Stunden bis zum Tea Horse Guesthouse, wo wir auch Adrie, Jessica und Alicia wiedertrafen, die vorraus gelaufen waren. Auf das Abendessen dort hatte ich wieder keine Lust und verzog mich schnell ins (beheizbare) Bett. Ich blieb aber noch lange genug am Feuer sitzen und die Geschichten von den anderen zu hören, die wir auf dem Trek getroffen hatten. Einerseits war da ein Pärchen aus Kalifornien, die zwischen Bachelor und Master ein paar Jahre in der Welt Englisch unterrichten, um Erfahrungen zu sammeln. Zum anderen trafen wir ein dänisches Paar, die ihre Jobs aufgegeben hatten und den Weg nach China komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt hatten. Sie waren jetzt schon vier Monate lang in China unterwegs. Wann sie mit dem Reisen aufhören wollen, wussten sie noch nicht.

Am nächsten Tag fühlte ich mich wieder deutlich besser. Nach einem Naxi-Sandwich (ohne Drogen) zum Frühstück machten wir uns wieder auf den Weg und ich konnte auch wieder meinen eigenen Rucksack tragen. Der Tag versprach deutlich schöner zu werden als der letzte, solange die Sonne aber noch nicht über den Bergen stand war es ziemlich kalt.




Nach dem Sonnenaufgang war es aber wunderbar warm und wir machten häufig Pausen um einfach nur die Aussicht genießen zu können. Wir konnten alle Berge um uns herum sehen und am Ende der Schlucht war ein anderes Bergmassiv sichtbar. Hier lasse ich jetzt einfach mal die Bilder für sich sprechen.













Gegend Abend trafen wir wieder in Lijiang bei Mama Naxi ein, wo wir unser Restgepäck verstaut hatten. Wir blieben noch zum Abendessen und nahmen dann den Zug zurück nach Kunming. Zum Abschied gab es von Mama einen Schmatzer auf die Wange, außerdem mussten wir versprechen auf uns aufzupassen.

In Kunming kamen wir wieder früh am Morgen an. Am Bahnhof warteten wir auf Peter, mit dem wir zu den Reisterassen nahe Yuanyang fahren wollten.

Mittwoch, 1. Februar 2012

Kunming und Shilin

Als wir in Chengdu in den Zug einstiegen, waren wir trotz allem überrascht, wie voll es wirklich war. Nachdem wir zunächst probleme hatten im Doppelstockwagen unsere Sitze zu finden, stellten wir fest dass sie bereits belegt waren. Mit einigen Mühen regelten wir das Problem und saßen schließlich mit mehr (Morgan und Jason) oder weniger (ich) Beinfreiheit auf unseren Plätzen als der Zug abfuhr. Wir begannen mit unseren Sitznachbarn für eine gefühlte Ewigkeit Karten zu spielen, als wir aber alle keine Lust mehr hatten sahen wir dass erst zwei Stunden vergangen waren. Danach begannen wir damit, nichts zu machen. Das war noch viel langweiliger als Karten zu spielen, aber es gab einfach nichts zu tun. Abwechselnd versuchten wir auf unseren Sitzen zu schlafen, aber mit gelang das nicht. An einer Station stiegen auf einmal sehr viele Leute aus und wir konnten uns auf dem Fussboden ein Bett aus unseren Rucksäcken bauen. Das war zwar etwas gemütlicher als der Sitz, schlafen konnte ich aber trotzdem nicht. Jason hatte kein Pronlem damit zu schlafen, Morgan und ich verbrachten die Zeit aber eigentlich einfach nur mit geschlossenen Augen. Ab ca. sechs Uhr morgens gab ich es auf, schlafen zu wollen und hoffte auf den Sonnenaufgang um zumindest die Landschaft angucken zu können. Aber selbst darauf musste ich nochmal zwei Stunden warten. Danach versuchte ich aus dem vollkommen verdreckten Fenster Fotos zu machen und genoss die Aussicht.




Mittags leistete ich mir eine Mahlzeit, die einer der ständig durch den Zug laufenden Bahnagestellten anbot. Die war zwar besser als nichts, aber trotzdem keine Offenbarung.
Als wir endlich in Kunming ankamen, wurden wir für die Mühen der Zugfahrt aber entloihnt. Kunming wird nicht umsonst "Stadt des ewigen Frühlings" genannt. Mit blauem Himmel, Temperaturen um zwanzig Grad und sauberer Luft war es nach dem kalten Chengdu geradezu paradiesisch. Und dieser Zustand ändert sich über das ganze Jahr kaum. Ein weiterer Bonuspunkt von Kunming: Niemand ist in Eile. Auf den Straßen herrscht kein ewiges Hupkonzert, sondern gelassene Ruhe. Wir nahmen uns am Bahnhof ein Taxi und zeigtem dem Fahrer die Adresse des Hostels das wir ausgesucht hatten. Nach 500 Metern schmiss uns der Fahrer aber aus dem taxi, weil er die Adresse nicht kannte. Wir fragten uns warum ihm das nicht schon am Bahnhof eingefallen war und machten uns per pedes in Richtung des Hostels auf den Weg. Nach guten 20 Minuten fanden wir zum Glück ein neues Taxi, dass uns auch zum Hostel brachte. Es war allerdings ausgebucht, zum Glück hatte aber vor kurzem ein neues Hostel aufgemacht, dass noch Plätze hatte. Es lag direkt neben dem Green Lake Park. Der Park ist eine der wenigen Attraktionen in Kunming, denn so lebenswert die Stadt auch ist, viel zu sehen gibt es nicht. Nachdem wir geduscht hatten, machten wir uns auf in den Park. Hier überwintern jede Menge Möwen und es ist quasi ein beliebter lokaler Sport diese zu füttern.


Wir guckten uns noch den Sonnenuntergang im Park an und machten uns dann auf die Suche nach etwas zu essen.


Am nächsten Tag trafen wir uns mit unserer Freundin Mia, die auch an der NUAA studiert. Sie kommt aus Kunming und wir gingen mit ihr Mittagessen um die lokalen Spezialitäten kennenzulernen. Yunnan ist besonders berühmt für Reisnudeln, die es in allen erdenklichen Varianten gibt. In ihrem Lieblingsrestaurant bestellte Mia jede Menge kleine Sachen, damit wir auch alles probieren konnten was es gibt. obowhl es nur als kleine Snack gedacht war, waren wir danach alle pappsatt.


Am Nachmittag kauften wir Zugtickets für unseren nächsten Trip und fuhren danach in die Innenstadt. Wir guckten uns die verschiedenen Tore an, aßen Reisnudeln und gingen in eine Spielhalle. Hier verloren wir in allen verrückten Spielen die es dort gab. Mit dabei war auch ein Amerikaner aus unserem Hostel.


Am nächsten Tag fuhren wir mit Peter, auch ein freund von der NUAA, nach Shilin. Shilin heisst übersetzt Steinwald. Es ist eine Karstlandschaft mit bis zu 30 Meter hohen Formationen. Wir hatten einen wunderschönen Tag erwischt, an dem auch nicht allzu viele Bescuher da waren. Die meisten Chinesen blieben sowieso im zentralen Bereich, obwohl es darum herum auch Wege in die Landschaft gab, die zum Teil viel schöner und komplett menschenleer waren. Viel mehr gibt es über Shilin eigentlich nicht zu sagen, deswegen zeige ich einfach nur die Bilder.















In Kunming gingen wir dann noch mit Peter essen, danach holten wir unsere Sachen aus dem Hostel und fuhren zum Bahnhof. Dieses mal ging es nach Lijiang, im Norden von Yunnan. Dazu erzähle ich aber beim nächsten mal mehr.