Dienstag, 18. Oktober 2011

Huang Shan - Yellow Mountains

Wegen schlechter Wettervorhersagen haben wir unseren Trip zu den Yellow Mountains kurzerhand eine Woche vorverlegt. Die Berge liegen südlich von Nanjing in der Provinz Anhui und sind angeblich die schönsten Berge der Welt. Ein Sprichwort sagt „Wer Huang Shan gesehen hat braucht keine anderen Berge mehr sehen“. Das durften wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Berge sind vor allem für ihr aussehen bei wolkigem Wetter bekannt, wenn die spitzen Gipfel aus dem Wolkenmeer herausragen (laut Lonely Planet an ca. 200 Tagen im Jahr). Dieses Bild lässt sich in so gut wie jedem Chinarestaurant in Deutschland finden. Wir hatten (je nach Ansicht) das Glück oder Pech zwei sehr sonnige Tage für unseren Trip zu erwischen.
Am Freitag nahmen wir um 22.30 Uhr den Nachtzug zur Stadt Huang Shan, wo wir um 5 uhr ankamen. Wirklich geschlafen hat im Zug aber eigentlich niemand. Für mich war das Bett deutlich zu kurz, außerdem haben häufige Stopps und das Signalhorn des Zuges mich verlässlich wachgehalten. Der Plan war, von der Stadt dann möglichst schnell zum Berg zu kommen, um den Massen zu entgehen. Leider musste unser Bus aber noch auf andere Fahrgäste warten und wir kamen etwas zu spät an der Bergbusstation an. Hier konnte man dann eine Talstation wählen, zu der man per Bus gebracht wurde. An unserer Schlange standen schon ziemlich viele Leute an, die letztlich durch eine einzige kleine Tür gehen mussten. Entsprechend größer wurde das gedränge, je näher wir an die Tür kamen. Die Chinesen hatten aber anscheinend Spaß daran, immer wenn wieder ein paar Leute durch die Tür durften schrie die Menge erfreut auf und drückte nach vorne. Nach einer halben Stunde saßen wir dann im Bus zur Talstation der Seilbahn. Dort angekommen kauften wir uns Tickets und stellten uns in der neuen Schlange zu Seilbahn an. Ein Schild versprach, dass es nur 200 Meter zur Bahn sind. Nach den 200 Metern war aber das einzige dass wir sahen eine endlose Schlange und dieses Schild:

Wir konnten uns nicht ganz vorstellen dass es stimmt und stellten uns frohen Mutes an. Nachdem wir am 2-Stunden-Schild angekommen waren und auf die Uhr guckten, stellten wir aber fest, dass das Schild recht hat. Das Schlimmste an der Warterei ist, dass die Chinesen hier keinerlei Disziplin haben. Es wird geschubst, gedrängelt und absolut keine Rücksicht genommen. Irgendwann hatten wir die Tortur aber durchstanden und saßen in der Gondel. Die Fahrt auf den Berg dauerte sagenhafte fünf Minuten. Oben angekommen wurde wir aber mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Sobald alle oben waren, machten wir uns auf den Weg zum höchsten Gipfel von Huang Shan, dem Lotus Peak (1.800 m). Es war etwa Mittag und auf dem Gipfel war ein ziemliches Gedränge. Man konnte sich eine Medaille kaufen, die einem den erfolgreichen Aufstieg bescheinigte (die gabs aber auch schon in der Talstation).




Vom Lotus Peak konnten wir auch schon unser Hotel sehen. Es sah eigentlich gar nicht so weit aus, wir mussten aber zuerst vom Peak runter und dann auf drei andere Berge rauf und wieder runter bis wir endlich da waren. Dann war es auch schon dunkel.




Auf dem Weg zum Hotel traf ich erstaunlicherweise den Kanadier wieder, der in Beijing mit Morgan und mir auf der Großen Mauer war, er hatte sich auch das schöne Wochenende für Huang Shan ausgesucht. Im Hotel fanden wir uns zuerst im Ballroom wieder, der während der Hochsaison anscheinend zum Schlafsaal umgewandelt wird. Er war vollgestellt mit Betten und Zelten. Zuerst wollte man uns dort nicht schlafen lassen, da der Saal nur für Chinesen war. Letztendlich kamen wir aber in einem Nebenraum vom Ballroom unter. Nachdem die Unterkunft geklärt war, machten wir uns auf die Suche nach etwas zu Essen. Im Hotel gab es ein All You Can Eat Buffet für stolze 140 Yuan. Die hohen Preise ergebn sich daraus, dass alles (und wirklich alles) was auf dem Berg benötigt wird, von Trägern heraufgebracht wird. Auch Eisenstangen und Steine zum Hausbau haben wir auf den Schultern von den Trägern gesehen. Auch Personen können sich so befördern lassen: zwei Kilometer für 100 Yuan. Darauf haben wir aber verzichtet.

Nach dem Abendessen gönnten wir uns eine Gutenachtbier und gingen früh schlafen, weil wir am nächsten Morgen früh aufstehen wollten um den Sonnenaufgang zu sehen. Die Sonne geht um 6 Uhr auf, also wollten wir uns um 5.30 Uhr auf den Weg zum Aussichtspunkt machen. Dabei hatten wir die Rechnung aber ohne die Chinesen gemacht, die sich teilweise schon um 4 Uhr auf den machten um alle guten Plätze zu belegen. Wir mussten uns also für den eigentlichen Sonnenaufgang mit weniger guten Plätzen begnügen, es war trotzdem sehr schön. 





Nachdem die Chinesen ihr obligatorisches Foto geschossen hatten machten sie sich aber auch schnell wieder aus dem Staub, sie hatten schließlich noch viel zu sehen und wenig Zeit. Deswegen gingen wir dann auf einen fast menschenleeren Lion's Peak und genossen dort für einige Zeit die wunderbare Aussicht.










Anschließend machten wir uns auf den Weg zur östlichen Tatstation, von wir zu Fuß aus ins Tal gehen wollten. Auf dem Weg gab es noch einige Aussichtspunkte, wie etwa den West Grand Canyon.



Um unseren Bus nach Nanjing zu erwischen mussten wir aber zusehen, dass wir pünktlich im Tal ankommen und konnten nicht überall solange bleiben wir wollten. Der Abstieg dauerte dann etwa 2 zweieinhalb Stunden. Die Chinesen haben leider die Angewohnheit an Bergen Treppen zu bauen, was ich persönlich weniger mag als einen normalen Weg. Unten angekommen gab sich Tiantian, eine Chinesin aus unserer Gruppe, als unser Tourguide aus und wir bekamen 20% Rabatt auf unser Mittagessen. Der Kellner im Restaurant meinte, Tiantian schon öfter gesehen zu haben. Die Fahrt von Huang Shan nach Nanjing war dann viel kürzer als gedacht, was mir sehr recht kam da der Bus chinesischen Vorstellungen von Beinfreiheit entsprach. Müde, aber glücklich den Trip mitgemacht zu haben fuhren wir mit der Metro zum Campus und gingen dann ziemlich früh schlafen. Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten.

Dienstag, 11. Oktober 2011

National Day Holiday

Um gleich alle Spannung aus dem Post am Anfang rauszunehmen: Es ist absolut nichts passiert. Das aufregendste war ein moskitoverseuchtes Wohnheimzimmer weil wir ein Fenster offengelassen hatten. Ansonsten habe ich die zeit nach Beijing mit Warten verbracht. In der National Day Holiday Week sind wir in Nanjing geblieben, da jeder uns abgeraten hat dort zu reisen. Allein in Beijing sollen zu dieser Zeit ca. 3 Millionen chinesische Touristen sein. In Nanjing hatten wir noch nichtmal ein Feuerwerk. 
Gestern hatte ich dann zwar tatsächlich meine erste Vorlesung (Introduction to China). Leider lag der Unterhaltungswert der Veranstaltung noch unter dem der Moskitos. Weiterhin werde ich den Genuss kommen, Samstags Abends um 18:30 Uhr eine Vorlesung zu haben. Noch habe ich die Hoffnung, den Termin verlegen zu können. Das allumfassende Chaos von Kurswahl und allem was dazugehört geht weiter seinen gewohnten Gang (wohl gemerkt ca. 4 Wochen nachdem die Vorlesungen hätten anfangen sollen).
Nächstes Wochenende ist nun aber endlich und tatsächlich der Trip zu den Yellow Mountains geplant. Nur noch ein von Anwesenheit besessener Prof kann mich jetzt noch abhalten!
Ich hoffe euch gehts allen gut und dass die Darmstädter das OE-Seminar gut überstanden haben! Den Darmstädtern viel Spaß bei der OE, grüßt alle von mir (auch die Ersties!). Allen anderen genauso viel Spaß bei was-auch-immer ihr gerade macht!

Donnerstag, 29. September 2011

Beijing, Teil 3: Sommerpalast, Lama Tempel und Hutongs

Am Sonntag war dann schließlich der Sommerpalast im Norden Beijings dran. Oft zerstört und wieder aufgebaut ist er eine der Hauptattraktionen Beijings. Das bekamen wir wieder in Form eines ziemlich überfüllten Parks zu spüren. Dazu kam, dass im Gegensatz zu den ersten beiden Tagen der Smog zugenommen hatte und wir eine äußerst schlechte Sicht hatten. Obwohl allein die Fahrt mit der Metro eine Stunde dauert, sind wir nicht lange im Palast geblieben und erstmal kurz zurück ins Hostel gefahren.



So blieb uns immerhin Zeit, am Abend die Flaggenzeremonie auf dem Tiananmen Square anzugucken. Durch das Tor des Himmlischen Friedens marschieren Soldaten über die Straße zum Platz, holen die chinesische Flagge herunter und tragen sie zurück ins Tor. Am Morgen wird die Zeremonie zum Hissen der Flagge wiederholt. Etwas verwundert war ich, als ich sah dass die Wachpolizisten Feuerlöscher bei sich stehen hatten. Auf einem so großen Platz der aus Steinen gebaut ist kann schließlich nichts anfangen zu brennen. Außer Menschen die sich selbst anzünden, fiel mir dann ein.



Danach trafen wir uns nochmal mit Morgans Freundin zum Abendessen. Wir gingen in ein kleines Restaurant in der Nähe unseres Hostels. Es gab die unvermeidliche Pekingente und andere Leckereien. Wir dachten zuerst es wäre viel zu viel, am Ende war aber doch alles aufgegessen.

Für Montag hatten wir den Lama Tempel eingeplant. Er ist berühmter buddhistischer Tempel, in dem auch noch aktiv gebetet wird. Räucherstäbchen und Ruhe ließen eine ganz andere Atmosphäre aufkommen als in der Verbotenen Stadt oder im Sommerpalast. Leider ist der Tempel nicht besonders groß und hatten relativ schnell alles gesehen.


Danach begaben wir uns noch auf eine Tour durch die angrenzenden Hutongs. Das sind typische alte Gassen in Beijing, in denen immer noch viele Menschen wohnen. Die Häuser hier sind keine Wohnblöcke, sondern höchstens zweistöckige alte Gemäuer. Man bekommt schnell krasse Gegensätze zu sehen: Die Häuser sehen so aus, als ob sie noch nicht mal fließendes Wasser hätten, aber vor der Tür steht ein dicker VW oder Audi. Andererseits merkt man auch, dass hier noch sehr nachbarschaftliche Verhältnisse herrschen: Schulkinder machen zusammen Aufgaben oder Nachbarn sitzen beim Tee auf der Straße zusammen. Sowas kann man sich in den großen Wohnblöcken kaum vorstellen.





Da wir dieses mal unseren Zug nicht nur so knapp erreichen wollten, machten uns relativ früh wieder auf den Weg zum Hostel um unser Gepäck abzuholen und zum Bahnhof zu fahren. Wir waren natürlich viel zu früh und warteten fast zwei Stunden auf den Zug. Gegen elf Uhr abends kamen wir dann am Campus der NUAA an. Seitdem bin ich dabei eine Erkältung loszuwerden, die ich mir wohl in der Beijinger Metro eingefangen habe. Da unsere unsere Kurse aber definitiv nicht vor dem 10. Oktober anfangen werden, habe ich genug Zeit um wieder gesund zu werden. Ich hoffe meine Berichte waren lesbar und haben gefallen :-) Der nächste Trip ist übrigens auch schon in Planung: Huang Shan, die Gelben Berge, warten auf unseren Besuch.

Mittwoch, 28. September 2011

Beijing, Teil 2: Tiananmen und Verbotene Stadt

So und weiter gehts: Nachdem wir wieder im Hostel angekommen waren, ruhten wir uns kurz aus und machten uns dann auf den Weg zur Ghost Street. Diese ist abends/nachts mit jeder Menge roter Laternen ausgeleuchtet und schön anzugucken. Allerdings bekamen wir das leider nicht zu sehen, da wir von der Metrostation aus in die falsche Richtung gelaufen sind (wir sind aber später mal im Taxi durchgefahren: es sieht wirklich schön aus). Auch in der Straße in der wir unterwegs waren fanden wir aber ein Restaurant zum Abendessen. Danach haben wir uns mit der Nora am Houhai verabredet, ein See der mit Bars und Restaurants umgeben ist. Hier war man wieder vor Straßenhändlern nicht sicher, die einem irgendwelche Laserpointer verkaufen wollten. In einer Reggaebar genehmigten wir uns ein paar Drinks und fuhren dann zum Clubben.

Am nächsten Tag hatten wir uns die naheliegendsten Sehenswürdigkeiten ausgesucht: Tiananmen und die Verbotene Stadt. Der Tiananmen Square (Platz des himmlischen Friedens) ist der größte Platz der Welt. Um ihn herum dürfen keine hohen Gebäude gebaut werden, sodass wir einen schönen blauen Himmel um uns herum hatten. Wirklich viel zu sehen gibt es auf dem Platz allerdings nicht. Arbeiter waren dabei, für den Nationalfeiertag ein Denkmal für die Staatsgründung aufzubauen. Wir machten uns also relativ schnell auf den Weg in die Verbotene Stadt, die direkt nördlich vom Tiananmen liegt.


Hier wurden wir mit langen Warteschlangen, Straßenhändlern und „Tourguides“ empfangen. Wir kauften uns unsere Tickets und folgten den Massen in die Anlage. Hier gab es jede Menge chinesische Architektur zu sehen, wie man sie sich vorstellt. Viel mehr zu erzählen gibt es aber eigentlich nicht. Am nördlichsten Ende der Stadt angekommen waren wir uns einig, dass es zwar schön anzusehen ist, die Menschenmassen aber keine richtige Atmosphäre aufkommen lassen.





Hinter der Verbotenen Stadt liegt ein Park, von dem man eine gute Sicht über die Verbotene Statd und den Rest von Beijings Innenstadt hatte. Abgesehen von Aussichtspunkten war der Park auch nicht so voll und schön entspannend. Anschließend liefen wir vom Park wieder an der Verbotenen Stadt und Tiananmen vorbei wieder zurück zum Hostel. 



Abends trafen wir uns zum Essen mit einer Freundin von Morgan, die schon zum zweiten Mal für längere Zeit in China ist und gut Chinesisch spricht. Nach dem Essen gingen wir noch in eine Bar in einer kleinen Seitengasse in der Nähe vom Bell Tower. Auf dem Rückweg zum Hostel fanden wir dann noch eine deutsche Currywurstbude. Ich konnte nicht widerstehen und wurde ziemlich enttäuscht: Es schmeckte mehr wie ein indisches Curry als nach einer guten Currywurst. Darauf muss ich wohl noch neun Monate warten.