Am Morgen des 7. Januar machten wir (Morgan, Jason und ich) uns auf den Weg zum Flughafen. In den Tagen davor war es ziemlich chaotisch gewesen, da wir gefürchtet hatten überhaupt nicht aus Nanjing wegzukommen. Ursprünglich wollten wir mit dem Zug von Nanjing nach Kunming (Provinhauptstadt von Yunnan) fahren, aufgrund der Reisewelle zum chinesischen Neujahr waren die Züge aber schon ausgebucht. Auch die Züge nach Chengdu (Provinzhauptstadt von Sichuan) waren schon voll. Die Bahnangestellten in den Ticket Offices sind auch nicht darauf bedacht ihre Kunden zufriedenzustellen und sich zum Beispiel Alternativrouten auszudenken, sondern antworten meist nur mit "mei you" (haben wir nicht) und warten dann bis man selbst den nächsten Vorschlag unterbreitet. Schließlich entschlossen wir uns nach Chengdu zu fliegen, wobei wir wegen diversen Schwierigkeiten mit dem Bezahlen viermal buchen mussten. Letzendlich saßen wir aber im Flieger und waren froh, unseren Urlaub beginnen zu können.
Einen ereignislosen Flug und ein mittelmäßiges Mittagessen an Bord der Chengdu Airlines Maschine später landeten wir schließlich pünktlich. Wir hatten uns auf ein Datum geeinigt an dem wir per Zug nach Kunming fahren wollten und um nicht wieder ohne Ticket dazusitzen buchten wir den Zug direkt am Flughafen. Für die siebzehn Stunden dauernde Fahrt gab es nur noch den Hard Seat, was uns aber erstmal nicht abschreckte.
Danach fuhren wir zu unserem Hostel, die erstaunlich lange und teure Taxifahrt zeigte uns deutlich wie verschmutzt und überbevölkert Chengdu ist. Die schlechtere Luft spürten wir auch alle sofort und mussten husten. In Sim's Cozy Garden Hostel angekommen begannen wir zu planen, was wir wann machen wollten. Speziell für Jason essenziell war ein Besuch bei den Pandas, ansonsten standen Emei Shan (ein heiliger Berg), der Buddha von Leshan oder der Jiuzhaigou Nationalpark zur Auswahl. Da uns der Buddha nicht wirklich interessierte und alles andere zu weit weg war um es in der eingeplanten Zeit zu erreichen, entschieden wir uns die gerade gekauften Zugfahrkarten auf ein früheres Datum umzubuchen und uns nur Chengdu und die Pandas anzugucken. Der Nordbahnhof von Chengdu war nicht weit weg, also machten wir uns gleich auf die Socken. Auf dem Weg machten wir in einem kleinen Imbiss halt, um die berühmte Küche von Sichuan auszuprobieren, die tatsächlich um einiges schärfer war als die in Nanjing. Zwischen Hostel und Bahnhof liegt ein Stadtviertel, das komplett aus Marktständen besteht, die sowohl auf der Straße als auch in Häusern untergebracht sind. Um den Nachschub zu sichern brachten Laster Unmengen von Paketen ins Vierteln, die der Einfachheit halber auf der Straße gelagert werden. Besonders beliebt waren die Neujahrsartikel, die allesamt in strahlendem Rot daherkommen.
Im Bahnhof angekommen suchten wir das Ticket Office und stellten uns, ganz nach chinesischer Art, in drei verschiedenen Schlangen an um schneller an die Reihe zu kommen. Am Schalter angekommen schlug die Frau entsetzt die Hände über den Kopf zusammen, wahrscheinlich hatte sie noch Westler bedient. Bald wurden wir von sechs oder sieben Angestellten betreut, von denen eine schließlich ein paar englische Worte hervorwürgte und uns in ein anderes Büro brachte, wo es eine englisch sprachige Mitarbeiter gab. Als wir in dieser Schlange endlich an der Reihe waren, versuchte ein Chinese sich an die spitze zu drängeln, woraufhin uns der Geduldsfaden riss und wir ihn solange auf Englisch anschnauzten bis er zum Ender der Schlange schlich und sich anstellte. Nachdem wir unsere Tickets erfolgreich getauscht hatten, gingen wir zurück zum Hostel und buchten die Pandatour, auff die mit zwei Kanadiern fuhren. Sie hatten gerade ihre Berufspilotenlizenz in Kanada bekommen und hatten nun ein paar Monate frei zum reisen. Bei einer Runde Poker zeigten sie uns Bilder von gegrillten Katzen, die sie in dem Marktviertel entdeckt (aber nicht probiert) hatten.
Am nächsten Tag fuhren wir früh zur Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding. Je früher man kommt desto bessere Chancen hat man die Pandas nicht nur beim Schlafen zu sehen. Wir hatten Glück und sahen sowohl die jungen Pandas (ca. 1,5 Jahre jung) beim Spielen und die älteren, die mit Essen beschäftigt waren. Es ist schwer zu sagen was den Charme der Pandas ausmacht, aber wenn man ihnen beim Bambusessen zusieht möchte man sich am liebsten dazusetzen und gemütlich mitessen. Neben den Giant Pandas gab es auch einige kleine Pandas, die eher an Waschbären erinnern und nur aufgrund ihrer Schädelform zu den Pandas zählen.
Wieder im Hostel machten wir erstmal ein bischen Pause und fuhren dann mit der Metro in die Innenstadt, in der es allerdings nicht wirklich viel zu sehen gibt. Auf dem zentralen Platz (mit der unvermeidlichen Mao Statur) gab es ein Wasserspiel mit Musik, die Atmosphäre auf dem Platz lud aber nicht wirklich zum Bleiben ein. Realtiv schnell fuhren wir also wieder zurück und guckten uns im Hostel noch einen Film an.
Bevor am nächsten Abend unser Zug nach Kunming abfuhr, guckten wir uns noch zwei Parks in Kunming an. In dem einen herrschte eine volkfestartige Atmosphäre mit Tanzgruppen, in der Morgan und Jason kurz mitmachten. Der andere Park bestand komplett aus Bambus un berherbt unendlich viele Arten davon. Hier war es sehr ruhig und angenhem, ältere Menschen kamen zum Zeitung lesen oder malten mit Wasser Kaligraphie auf die Bodenkacheln.
Am Abend begann dann das Abenteuer siebzehn Stunden Hard Seat Klasse, über dass ich im nächsten Update berichten werde. Ich hoffe soweit haben euch Bericht und Bilder aus Chengdu gefallen!
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