Am nächsten Morgen wurde mir auch wieder nur wenig Schlaf gegönnt: Meine Zimmernachbarn mussten anscheinend früh zum Flughafen und weckten mich erfolgreich um 5:30 Uhr auf. Ein bisschen Schlummern war danach noch drinnen, um kurz vor sieben stand ich aber vor dem Hostel und machte mich auf die Suche nach etwas zu Essen. Nach dem Frühstück fuhr ich mit der Metro nach Central um mich dort nochmal etwas umzusehen. Der Lonely Planet sprach von einem Tempel, der dort gebaut worden sei als die Engländer Hong Kong Island aufteilten um eine zu starke Vermischung von Europäern und Chinesen zu verhindern. Der Tempel wurde gleichzeitig als Krankenhaus genutzt. Ich meinte zu wissen wie ein Tempel aussieht, fand aber in der angegeben Gegend nichts dergleichen. Schon ziemlich zu Anfang meiner Suche war ich durch drei kleine Räume gegangen, die aber mehr an einen Hausaltar als an einen Tempel erinnerten. Nach einer weiteren Stunde Suche sah ich dann aber endlich ein, dass Tempel in Hong Kong wohl andere Größen haben als im Mainland. Wahrscheinlich gab es schon damals Platzprobleme. Zur Suche nach dem Tempel kann ich noch erwähnen, dass ich mich immer noch nicht an den Linksverkehr gewöhnt hatte. An jeder Straße die ich überquerte, guckte ich zuerst nach links, obwohl die Autos von rechts kommen. Zum Glück hat die Hong Konger Regierung dieses Problem erkannt: Auf jeder Straße steht mit einem großen Pfeil versehen „Look Right!“.
Nach dem Mittagessen und einer kurzen Pause im Hostel machte ich mich dann wieder auf nach Central, um mit der Peak Tram auf den Victoria Peak zu fahren. Zum Glück war ich einigermaßen früh losgefahren, die Schlange war nämlich ewig lang. Die Fahrgäste waren zum großen Teil Mainland Chinesen, also war es mit dem geordnetem Anstehen wie in der Metro vorbei. Es wurde wieder geschubst und gedrängelt, um ja in der Schlange ganz vorne zu stehen. Oben angekommen lief ich dann gleich zu Aussichtsplattform und fing an Bilder zu machen. Hier hatte ich wieder dasselbe Problem wie schon am Vortag in Tsim Sha Tsui: starke Windböen, die in Zusammenarbeit mit meinem eher mittelmäßigem Stativ Langzeitbelichtungen zu einer Herausforderung machten. Ich habe aber einfach so viele Bilder gemacht, dass dabei auch ein paar brauchbare entstanden sind.
Die Schlange zur Fahrt nach unten war dann doppelt so lang wie die davor. Vom ewigen Anstehen müde lief ich dann zur Metro und machte mich auf den Heimweg. Zwischendrin machte ich aber noch ein paar Bilder von Central, dass auch vom Nahen betrachtet im Dunkeln toll aussieht.
Für den nächsten Tag hatte ich mir eine Wanderung vorgenommen. Auch wenn es erst nicht glaubt, Hong Kong besteht zu 70 Prozent aus Hügeln und Regenwald, in denen sich eine riesige Anzahl an Wanderwegen versteckt. Ich hatte mir den Dragons Back Trail ausgesucht, dessen Startpunkt nicht sehr weit weg war. Außerdem ist er nicht sehr anspruchsvoll, was vor allem meinen Schuhen zu Gute kam. Meine Wanderschuhe hatte ich nämlich in Nanjing gelassen. Der Weg führe zuerst nur durch den Wald, ab der Hälfte lief man dann aber auf den Bergspitzen umher. Von da aus hatte man eine großartige Aussicht.
Am Ende gab es dann noch einen kurzen Weg, der zu einem Strand führte, außerdem fuhr ich noch mit dem Bus zum nahe gelegenen Shek O, dort gibt es auch einen schönen Strand. Ich hatte aber keine Badesachen dabei und fuhr dann zurück zum Hostel.
Abends hatte ich mich mit den Austauschstudenten verabredet, die ich in Guilin kennengelernt hatte. Bevor wir uns auf einen Drink trafen, schaute ich mir aber noch den Temple Street Night Market, auf dem alle möglichen und unmöglichen Sachen kaufen kann. Außerdem gibt es Wahrsager und Open Air Karaoke.
Die Briten flogen am nächsten Tag nach Kambodscha, deswegen fiel unser Treffen eher kurz aus. Das war mir aber auch ganz recht, da ich endlich die Chance auf eine Nacht mit etwas mehr Schlaf sah. Als Tip hatte ich noch bekommen, mir am nächsten Mong Kok anzugucken. Mong Kok ist ein Stadtteil in Kowloon und einer am dichtesten besiedelsten Punkte der Erde. Das ganze muss aber nachts noch etwas beeindruckender aussehen. Es gibt jede menge Neontafeln und kleine Restaurants, die aber nur abends aufmachen. Ich fuhr also lieber nochmal nach Tsim Sha Tsui und setzte mich noch eine Weile an die Uferpromenade, bevor ich mich nach Hum Hong aufmachte und in den Zug nach Guangzhou einstieg. Dort geht es dann auch beim nächsten Mal weiter.
Noch ein kleiner Nachtrag: Wer mich kennt weiß, dass ich zwangsläufig in den Himmel gucke wenn sich dort etwas bewegt. Habe ich eine Kamera in der Hand, mache ich natürlich auch Fotos davon. Der Himmel über Victoria Harbour war voll von Drehflüglern und natürlich gab es auch auf dem Wasser jede Menge zu sehen. Wer also mit Hubschraubern und Schiffen nichts anfangen kann, kann die nächsten Bilder überspringen ;-)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen