Donnerstag, 7. Juni 2012

Im Osten nichts Neues


Hallo,
mein letzter Post ist jetzt schon eine ganze Zeit her. Das ich nicht so viel schreibe, liegt wohl daran dass auch einfach nicht viel passiert. Eine schöne Abwechslung im Uni-Alltag war der Besuch von meinem Bruder. Wir blieben einige Tage in Shanghai, inklusive eines Tagesausflugs ins nahe gelegene Suzhou. In Shanghai hatten wir leider nicht viel Glück mit dem Wetter, nur an einem Tag war es wirklich sonnig. Wir besuchten viele Parks, einen Tempel und waren auch sonst einfach viel zu Fuß unterwegs.








Suzhou ist berühmt für seine vielen Gärten, außerdem ist die Stadt als "Kanalstadt" bekannt. In vielen Reiseführern wird Suzhou sehr gelobt und empfohlen. Wir hatten einen Tagesausflug dorthin unternommen, der uns ca. zehn Stunden dort gab. Man kann vorwegnehmen, dass selbst das zuviel war. Vom Bahnhof liefen wir in die Stadt und suchten unser erstes Ziel, einen Garten. Der war ziemlich klein, dafür aber auch leer. Danach besuchten wir den Konfuziustempel und gingen Mittagessen. Jetzt hatten wir die Innenstadt schon zweimal durchquert, dabei aber nur zwei Kanäle entdeckt, die nicht besonders interessant waren. Nach dem nächsten Garten, der teurer, größer und voller war, wussten wir nicht mehr so recht was wir tun sollten. Alle anderen Gärten waren ähnlich teuer und wahrscheinlich auch voll, was ihnen vollkommen die Atmosphäre nimmt. Am Ende haben wir aber die Zeit irgendwie rumgebracht und fuhren zurück nach Shanghai.



Nach Shanghai war dann Beijing dran. Hier hatten wir zwei Tage, von denen wir aber zehn Stunden im zug verbachten und natürlich auch mal schlafen wollten. Das ließ nur wenig Zeit, das wichtigste in Beijing zu sehen. Also ging es am ersten Tag direkt nach dem Einchecken im Hostel zum Tiananmen Platz und der Verbotenen Stadt. Hier war es wie immer gerammelt voll, wir liefen relativ zügig durch und besuchten dann noch den Park hinter der Verbotenen Stadt, in dem ich schon an meinem ersten Besuch in Beijing war. Nach einer kurzen Pause im Hostel schauten wir uns dann die Flaggenzeremonie an. Zum Abendessen trafen wir uns mit meinem Freund Peer, der in Shanghai studiert und gerade mit seiner Freundin in Beijing war. Es gab eine sündhaft teure Pekingente, die ihr Geld aber allemal wert war.




Am Tag drauf fuhren wir dann zu viert zum Mauerabschnitt bei Huang Hua. Dieses Mal hatten wir keine Hostel-Tour gebucht, sondern waren mit Bus und gemiteten Autos untwerwegs. Dabei sehr hilfreich war Peers chinesisch, dass um einiges besser ist als meines. Auch wenn der Mauerabschnitt nicht ganz so verlassen war wie der der Secret-Wall Tour, war es doch sehr. schön. Es waren nicht viele Touristen da, von denen die meisten auch nach zwei oder drei Türmen wieder umdrehten, wir gingen aber noch ein bischen weiter. Zum Teil war die Mauer so steil, dass die Tour schon mehr Klettern war als Wandern. Auf dem höchsten Turm hatten wir dann aber eine wunderbare Aussicht, dazu war auch genau so schönes Wetter.






Von Beijing fuhren wir mit dem Zug nach Nanjing und verbrachten dort noch einige entspannte Tage, bis mein bruder von Shanghai aus wieder nach Berlin flog.

Dann begann wieder mein Alltag in Nanjing, der sich eigentlich nicht verändert hat. Willkommene Abwechslung war ein Wochenende in Shanghai, dass wir zum Feiern nutzten, außerdem konnte ich nochmal Chris sehen, der mittlerweile heimgeflogen ist (falls dein Flug nicht doch erst am 06. Juli geht, Chris!!). Von Dienstag bis Donnerstag war dann Peer in Nanjing, mit ich das Standard nanjing Programm durchzog, aber auch tatsächlich noch etwas neues entdeckte, wie etwa das Zhonghuamen Stadttor und Radfahren auf der angrenzenden Stadtmauer.
Letzte Woche war dazu noch die Abschiedsparty von Kristoph, einem Prakitkanten von der BSH. Als Start grillten wir auf dem seines Wohnhauses, von dem man einen sehr guten Blick über Nanjing hat, ein paar Tage später war ich samt meiner Kamera nochmal da.








 Langsam ist nun auch das Ende der Uni in Sicht, umso mehr freute ich mich auf meinen geplanten und schon gebuchten Tibet Trip. Der steht jetzt aber auf der Kippe. Nach der Selbstverbrennung von zwei Mönchen in Lhasa werden Reisegenehmigungen nur noch erschwert erteilt und noch weiß ich nicht ob ich eine bekomme. Als Alternative habe ich mir die Provinz Gansu ausgesucht. Früher war hier die Grenze des modernen Chinas. Die Große Mauer hört hier auf, die Seidenstraße führt hinducrch und die Wüste Gobi bildet eine natürliche Barriere im Süden. Auch die Schlussszene vom berühmten Film "Hero" wurde hier gedreht.

Bevor ich wieder auf Reisen gehe, werde ich mich bestimmt nochmal melden und meine engültigen pläne verkünden. Ab dann ist es auch nicht mehr lange, bis ihr mich wieder in Deutschland ertragen müsst!

Samstag, 7. April 2012

Guangzhou

Der Zug fuhr etwas verspätet von Hong Kong ab. Nach gut zwei Stunden, in denen wir Hong Kong, Shenzhen und die Randbezirke von Guangzhou durchquerten kamen wir am Ostbahnhof an. Von hier nahm ich die Metro in Richtung meines Hostels. Nachdem ich mal wieder einige Probleme mit der Wegbeschreibung gelöst hatte, fand ich es direkt an einer Uferpromenade des Pearl Rivers. Neben einigen internationalen Backpackern wohnten hier auch zwei Katzen, deren Lieblingsplatz der Tresen war.

Ich lud mein Zeug im Zimmer ab und machte mich daran, die Gegend um das Hostel etwas zu erkunden und etwas zu Essen zu finden. An der Uferstraße gab es einige Clubs, vor denen Kellnerinnen Spalier standen und jeden Gast mit einer Verbeugung begrüßten. Eine der Seitenstraßen war ein beliebter Street Food Treffpunkt. Außerdem gab es Piers für Ausflugs- (oder Party-) dampfer und jede Menge andere Vergnügungsmöglichkeiten.




Am nächsten Tag machte ich mich auf zum Sightseeing in Guangzhou. Ich fuhr zu einem Park, in dem ich auch schon vor zehn Jahren mit dem Austausch war. Hier steht das Wahrzeichen von Guangzhou, eine Statue die fünf Ziegen darstellt. Diese Ziegen haben etwas mit der Gründungsgeschichte von Guangzhou zu tun, leider erinnere ich mich nicht mehr was genau. Außerdem ist in einer Pagode das Guangzhou Museum untergebracht, das tatsächlich spannend eingerichtet und informativ ist.







Gegenüber des großen Parks gab es noch einen Orchideen Garten, der mit allen möglichen Blumen und Bäumen in der Blüte schön anzusehen war. 




Zum Mittagessen gab es gebratene Nudeln. Beim Bestellen musste ich hilflos auf Bilder zeigen, da die Kantonesen mit meinem (schlechten) Mandarin nichts anfangen konnten. Danach lief ich in die Stadt und schaute mir dort eine Kirche an, die die Franzosen hier gebaut hatten. Die Kirche gab ein China wirklich ungewöhnliches Bild ab. 



Zu guter Letzt lief ich noch Shamian Island. Dort waren früher die Häuser der fremden Handelsvertretungen untergebracht. Guangzhou war einer der wenigen Häfen, in denen Ausländer mit China Handel betreiben durften. Erst nach zwei Opiumkriegen wurden andere Häfen zwangsgeöffnet. Shamian Island hat immer noch kolonialen Charakter und es ist ein guter Punkt um der hektischem Innenstadt zu entkommen.


Zum Abendessen traf ich mich dann mit meiner Mutter an der Austauschschule, die etwas außerhalb und eine lange Metrofahrt außerhalb des Stadtkerns liegt. Für den nächsten Tag hatte ich mir den Canton Tower vorgenommen. Bis vor einem Jahr war er der höchste Fernsehturm der Welt, wurde aber vom neuen Turm in Tokyo abgelöst. Außerdem wurde nach kurzer Zeit die Antenne um zehn Meter eingefahren, um die Luftraumsicherheit über Guangzhou zu gewährleisten. Mit 600 Metern ist er aber trotzdem noch imposant hoch. Zuerst fuhr ich auf die erste verglaste Aussichsplattform auf 428 Metern.



Da ich einen spendablen Tag hatte gönnte ich mir noch die Plattform auf 488 Meter. Leider gab es an dem Tag viel Smog und die Sicht war nicht so gut. Etwas unter Plattform fuhren noch kleine Kapseln um den Tower herum, in die sich wagemutige und zahlwillige Leute hineinsetzen konnten.



Von der Plattform hatte ich eine gute Sicht auf die Insel, auf der meine Austauschschule von 2002 liegt. Nachdem ich wieder unten im Tower angekommen war, machte ich mich also auf die Socken und lief zur Insel, um die Schule zu suchen. Orientierungspunkt war die Concert Hall, an die ich mich noch erinnerte. 

Und tatsächlich stand ich nach einer Stunde Suche vor den Toren der Guangzhou Middle School No. 109. Viel verändert hatte sich nicht, abgesehen davon dass die Gebäude etwas abgenutzter aussahen.


Lange blieb ich nicht, da ich mich noch einmal mit meiner Mutter traf. Wir fuhren nach Shamian Island um dort noch einen Kaffee zu trinken. Dann ging es auch schon wieder zurück zur Schule, da wir dort bei einem der chinesischen Lehrer zum Abendessen eingeladen waren. Das Essen hörte relativ schnell auf, als einer der deutschen Schüler anrief. Es ging ihm nicht gut und er wollte (Sonntagabends) zu einem Arzt gebracht werden. Die Essensgesellschaft setzte sich also in einen Minibus und brach zur Krankenfahrt auf, ich wurde an der nächsten Metrostation abgesetzt. Wieder im Hostel angekommen ging ich bald schlafen. Um meine nun doch nicht stattfindenden Vorlesungen am nächsten Tag besuchen zu können hatte ich den ersten Flug am Morgen zurück nach Nanjing gebucht. Um halb sechs saß ich also im Taxi zum Flughafen und war um neun wieder in Nanjing.

Hier stellte ich fest, dass sich meine Faulheit beim Bezahlen der Stromrechnung gerächt hatte und mir der Saft abgedreht worden war. Das Büro bei dem ich bezahlen konnte, hatte aufgrund der Feiertage selbstverständlich zu. Man kann zwar auch mit der Campuskarte zahlen, um diese aufzuladen hätte ich aber zu einem anderen Büro gemusst das auch zu hatte. Ein nepalesischer Freund konnte mir helfen, da er seine Karte über sein Bankkonto aufladen konnte. Ziemlich müde, aber immerhin wieder mit Strom ging ich dann früh schlafen.